Chronik der DDR 1950-1959

    Aus DDR-Lexikon

    Im Januar 1950 wurden alle Parteien in die Einheitsliste der Nationalen Front eingebunden, die klar von der SED dominiert wurde. Bei den ersten Wahlen zur Volkskammer am 15. Oktober 1950 erhielt diese Einheitsliste offiziellen Angaben zufolge 99,3 Prozent der Stimmen. Trotz Wahlen lag das eigentliche Machtzentrum der DDR von Anfang an im Politbüro des Zentralkomitees (ZK) der SED. Das ZK war im selben Jahr gegründet und Walter Ulbricht zu dessen Generalsekretär gewählt worden. Unabhängig davon wurden alle Entscheidungen von der Sowjetischen Kontrollkommission überwacht, bis der DDR im März 1954 offiziell staatliche Souveränität gewährt wurde – was allerdings noch lange nicht bedeutete, dass die Sowjetunion keinen Einfluss mehr auf die DDR hatte und ausübte.

    Wichtige außenpolitische Ereignisse des Jahres 1950 waren das Görlitzer Abkommen mit Polen, in dem die bisherige Staatsgrenze entlang der Oder-Neiße-Linie anerkannt wurde, und die Aufnahme der DDR in den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), dem sozialistischen Pendant zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

    Das Verhältnis zwischen beiden deutschen Staaten erwies sich von Beginn an als sehr kompliziert. Beide Seiten wollten jeweils für ganz Deutschland sprechen und man suchte nach möglichen Lösungen, um die Teilung zu überwinden. Doch sowohl die DDR als auch die BRD beharrten auf bestimmten Vorbedingungen, die für die andere Regierung inakzeptabel schienen. Da sich ein Scheitern der Verständigung abzeichnete, beschloss Stalin im Juli 1952, den „Aufbau des Sozialismus“ in der DDR unter Leitung der SED voranzutreiben: Industriebetriebe wurden verstaatlicht, landwirtschaftliche Betriebe wurden in Produktionsgenossenschaften zusammengeschlossen (Kollektivierung) und man ging stärker gegen Widerstand aus der Bevölkerung vor. Obwohl die Grenze zur BRD bereits im Mai 1952 abgesperrt worden war, verließen immer mehr Menschen die DDR. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 1953 waren es über 200.000.

    Im März 1953 starb Stalin und die neue sowjetische Führung schrieb der SED einen neuen Kurs vor. So wurden einige Maßnahmen der Sozialisierung zurückgenommen und die ideologische Unterdrückung größtenteils eingestellt. Demonstrationen in Ost-Berlin gegen die Erhöhung von Arbeitsnormen weiteten sich zu landesweiten Protesten aus. Der Volksaufstand vom 17. Juni wurde durch sowjetische Truppen blutig niedergeschlagen. Nachdem sich die Lage in der DDR kurzzeitig wieder entspannt hatte, kam es 1956 nach der gewaltsamen Beendigung des ungarischen Volksaufstand erneut zu Repressionen, die vor allem kritische Studenten und Wissenschaftler trafen.