Chronik der DDR 1960-1969

    Aus DDR-Lexikon

    1960/61 wurde der „Aufbau des Sozialismus“ fortgesetzt, insbesondere die Kollektivierung der Landwirtschaft, was die Flüchtlingszahlen wieder stark ansteigen ließ. In den ersten beiden Augustwochen 1961 flohen knapp 47.500 Menschen über die Grenze. Um eine weitere Abwanderung zu verhindern, begann man in der Nacht auf den 13. August damit, die Grenze zu West-Berlin zu schließen. Im Laufe der nächsten Wochen wurde die Berliner Mauer errichtet und die gesamte innerdeutsche Grenze durch Sperr- und Selbstschussanlagen, Stacheldraht und Grenzsoldaten gesichert. Die Mauer forderte bis zu ihrem Fall etwa 200 Todesopfer, die hauptsächlich bei Fluchtversuchen ums Leben kamen.

    Die Jahre nach dem Mauerbau waren von einer Entspannungspolitik gekennzeichnet, die wieder von der sowjetischen Regierung unter Chruschtschow vorgegeben worden war. Statt Regimegegner zu unterdrücken und zu verfolgen, sollte die SED-Führung vielmehr ideologische Überzeugungsarbeit leisten. Die Wirtschaftspolitik zielte auf eine Steigerung des Lebensstandards und mit zunehmenden, spürbaren Verbesserungen wurde auch die Stimmung in der Bevölkerung besser. Der Jugend in der DDR wurde durch offizielle Beschlüsse mehr Freiraum gewährt, sie bekam mit DT64 sogar einen eigenen Radiosender.

    1965 fand diese Politik durch einen Regierungswechsel in Moskau und nach den Jugendkrawallen in Leipzig bereits ihr Ende. Die SED ging wieder stärker gegen unliebsame, „unsozialistische“ Bestrebungen in der Bevölkerung vor. Hoffnungen auf einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, auf weitere Reformen und mehr Freiheiten, die 1968 durch den Prager Frühling geweckt wurden, wurden zerschlagen und selbst kleinere Proteste im Keim erstickt.