Chronik der DDR 1980-1990

    Aus DDR-Lexikon

    Wegen der Ölkrise 1979/80 kürzte die Sowjetunion die Rohöllieferungen an die DDR und leitete damit deren wirtschaftlichen Niedergang ein, denn die ostdeutsche Wirtschaft lebte zu großen Teilen vom Ölexport in westeuropäische Länder. Weil die Sowjetunion selbst in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte, konnten die Einwände und Proteste von Erich Honecker nichts bewirken. Vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit wurde die DDR vor allem durch zwei Kredite in Milliardenhöhe aus der BRD bewahrt. Damit konnte die Bevölkerung der DDR zwar weiterhin versorgt werden, musste allerdings oft jahrelang auf bestimmte Konsumgüter warten.

    Als Michail Gorbatschow 1985 die Leitung der sowjetischen Regierung übernahm und einen neuen Kurs mit mehr Freiheiten für die Ostblockstaaten einschlug, begann die DDR-Führung sich von der Sowjetunion zu distanzieren. Die Parteispitze der SED wollte Gorbatschows Reformprojekte nicht mittragen und Honecker warb stattdessen für einen „Sozialismus in den Farben der DDR“. Diese Einstellung konnte weder in der Bevölkerung noch in den eigenen Reihen nachvollzogen werden.

    Bereits Anfang der 1980er Jahre gab es immer wieder öffentliche Demonstrationen von Anhängern der Friedensbewegung, die aus kleineren und oftmals kirchlichen Gruppen entstanden war. Im Laufe der Jahre wurde daraus eine Bürgerrechtsbewegung, die zunehmend ihre Unzufriedenheit mit der Staatsführung ausdrückte. 1989 erreichten die Proteste ihren Höhepunkt. Nachdem Ungarn am 2. Mai seine Grenze zu Österreich geöffnet hatte, setzte eine Massenflucht von DDR-Bürgern ein. Gleichzeitig kam es im Herbst zu den sogenannten Montagsdemonstrationen, die seit der ersten am 4. September in Leipzig regelmäßig in vielen Großstädten des Landes stattfanden und zu denen immer mehr Menschen kamen. Diese friedlich verlaufende Revolution brachte schließlich die Wende in der DDR.

    Obwohl Honecker am 18. Oktober zurücktrat und die neue Regierung unter Egon Krenz Reformen versprach, war der Untergang des SED-Regimes nicht mehr aufzuhalten. Als angekündigt wurde, dass die Reisebeschränkungen nach West-Berlin aufgehoben werden, wurden die Grenzübergänge und die Berliner Mauer in der Nacht des 9. Novembers geöffnet. Ein knappes Jahr später fand am 3. Oktober 1990 endlich die Wiedervereinigung zu einer gesamtdeutschen Bundesrepublik statt.