Erich Honecker

Aus DDR-Lexikon

deutscher Politiker geboren: 25. August 1912 in Neunkirchen, Saarland gestorben: 29. Mai 1994 in Santiago de Chile

Erich Honecker trat 1929 in die KPD ein, ging 1933 in den Untergrund, wurde 1937 zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, 1945 von der Roten Armee befreit und im Jahr darauf in der Sowjetischen Besatzungszone Mitglied des ZK (Zentralkomitee) der SED und Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend (FDJ), die er bis 1955 führte. 1949 zog er in die Volkskammer ein, 1958 ins Politbüro. Dank seiner erfolgreichen und geheim gebliebenen Vorbereitungen des Berliner Mauerbaus (1961) galt er schon 1967 als designierter Nachfolger Ulbrichts in den Führungsämtern der DDR. 1971 wurde Honecker als Nachfolger Ulbrichts Erster Sekretär des ZK, Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates und Mitglied des Staatsrates der DDR. 1976 wurde er als Vorsitzender des Staatsrates faktisch Staatsoberhaupt der DDR. Mit dem Reformkurs des 1985 zum Generalsekretär der KPdSU gewählten Michael Gorbatschow begann sich bald eine Konstellation abzuzeichnen, deren Rückwirkungen auf die DDR Honecker erfolglos abzuwehren versuchte. Insbesondere nach dem Abkommen von Helsinki reisten immer mehr DDR-Bürger aus. Angesichts der sich rapide verschlechternden ökonomischen Situation brach das System im Herbst 1989, als Honecker den 40. Jahrestag der DDR mit aufwändigen Staatsfeierlichkeiten begehen wollte, überraschend schnell zusammen. Am 18. Oktober 1989 musste Honecker zurücktreten. Er floh vor etwaigen Konsequenzen nach Moskau. In seinem Amt wurde er durch Egon Krenz abgelöst, der seinen Vorgänger im Dezember 1989 aus der SED ausschließen ließ. Der vom Berliner Landgericht gegen Honecker nach seiner Auslieferung aus der Sowjetunion eröffnete Prozess wegen seiner Verantwortung für die Todesschüsse an der Mauer erwies sich als kompliziert und langwierig und wurde 1993 schließlich eingestellt. Honecker konnte nach Chile ausreisen, wo sich bereits seine Frau Margot und die Tochter aufhielten.

  • 1930 Eintritt in die KPD
  • ab 1933 im Untergrund tätig
  • 1937 zu zehn Jahren Haft wegen Hochverrats verurteilt, Inhaftierung im Zuchthaus Brandenburg
  • 1945 Befreiung durch die Rote Armee
  • ab 1946 Mitglied des Zentralkomitees der SED; Mitbegründer der Freien Deutschen Jugend (FDJ), deren Vorsitzender (bis 1955)
  • ab 1949 Abgeordneter der (bis 1950 Provisorischen) Volkskammer
  • 1953 Heirat mit seiner zweiten Ehefrau Margot Feist (Margot Honecker)
  • 1955 Vaterländischer Verdienstorden
  • 1958 Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED
  • 1961 Leitung der Vorbereitungen für den Berliner Mauerbau
  • 1969, 1972, 1977, 1982 und 1987 Karl-Marx-Orden
  • 1971 maßgeblich beteiligt am Sturz von Walter Ulbricht, Wahl zum Ersten Sekretär des Zentralkomitees der SED, Vorsitz des Nationalen Verteidigungsrats, Mitglied im Staatsrat
  • 1972, 1982 und 1987 Lenin-Orden
  • ab 1976 Generalsekretär der SED
  • ab 1976 Vorsitzender des Staatsrats, damit Personalunion von Partei- und Staatsspitze
  • 1987 Distanzierung von der Politik Michail Gorbatschows
  • 18.10.1989 Rücktritt von allen Ämtern
  • 3.12.1989 Ausschluss aus der SED, danach Mitglied der wiedergegründeten KPD
  • 1991 Flucht nach Moskau
  • 1992 Anklage wegen Anstiftung zum Totschlag im Zusammenhang mit den Todesschüssen an der deutsch-deutschen Grenze, Rückführung nach Berlin, Untersuchungshaft
  • 1993 Anklage vor der 27. Großen Strafkammer des Berliner Landesgerichts, aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes wird das Verfahren gegen Honecker eingestellt; Ausreise nach Santiago de Chile