Freie Deutsche Jugend

    Aus DDR-Lexikon

    Abk.: FDJ; Am 7.3.1946 genehmigte die SMAD die Gründung einer "überparteilichen, einigen, demokratischen Jugendorganisation". Dieses Datum gilt als Gründungstag der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Wenn auch von Kommunisten dominiert, sollte der Jugendverband doch demokratische Ziele haben. Der erste Vorsitzende Honecker versprach, "den überparteilichen Charakter unserer Organisation wie unseren Augapfel zu hüten". Unter den Bedingungen des Kalten Krieges mussten das leere Versprechungen bleiben. Bereits 1947 wurden Uniformen eingeführt, Versuche von CDU, LDPD und den Kirchen, eigene Jugendverbände aufzubauen, wurden durch die Besatzungsorgane unterdrückt. 1952 erkannte das Parlament der FDJ die führende Rolle der SED an und übernahm zugleich das Organisationsprinzip des demokratischen Zentralismus, bei den Aufmärschen paradierten bereits Gruppen bewaffneter Jungen und Mädchen. 1957 konnte mit dem Beschluss der 16. Zentralratstagung, dass die FDJ "zuverlässiger Helfer und Kampfreserve der Partei der Arbeiterklasse" sein solle, der politische Formierungsprozess des Jugendverbandes als abgeschlossen gelten. Die FDJ war fortan Jugendorganisation der SED. Vom 14. Lebensjahr an konnten Jugendliche der FDJ beitreten, in der Regel gehörten sie ihr bis zum 25. Lebensjahr an. Für Kinder von 6 bis 14 Jahren war die Pionierorganisation "Ernst Thälmann", die so genannten Jungen Pioniere, zuständig. Die Mitgliedschaft in der FDJ war freiwillig, allerdings sorgten Benachteiligungen, die Nichtmitglieder erfuhren, für einen hohen Organisationsgrad. Er betrug im Jahr 1981/82 bei den "Pionieren" 86,6 % (1,6 Mio. Mitglieder), bei der FDJ 77,7 % (2,3 Mio. Mitglieder). In Dörfern, Genossenschaften, Betrieben und Bildungseinrichtungen bestanden Grundorganisationen (GO) der FDJ, von denen es Mitte der 1980er Jahre ca. 28 500 gab, die sich wiederum in ca. 99 000 Gruppen untergliederten, geführt von rd. 650 000 ehrenamtlichen Funktionären. Höchstes Gremium war das alle 5 Jahre zusammentretende Parlament der FDJ. Es wählte den Zentralrat der FDJ (rd. 140 Mitglieder), der ein ca. 30 Mitglieder starkes Büro mit dem Sekretariat als dem eigentlichen Leitungsorgan bestimmte. Zum ZK der SED bestanden enge organisatorische und personelle Beziehungen. In der Volkskammer stellte die FDJ im Rahmen der Nationalen Front eine eigene Fraktion. Die Jugendorganisation sollte sowohl möglichst große ökonomische Effekte erzielen als auch "vorwärts drängende" junge Sozialisten erziehen. Dem dienten Initiativen wie die "Jugendobjekte" (Arbeitsvorhaben im Bauwesen oder in der Landwirtschaft), die "Messen der Meister von morgen", Aktionen wie "Jugend auf die Traktoren!", "Hugo Leichtsinn" (Fahndung nach fahrlässig handelnden Verkehrsteilnehmern), "Ochsenkopf" (Umdrehen von nach Westen gerichteten Fernsehantennen auf Hausdächern), der Wettbewerb "stärkster Lehrling" und andere mehr. Zumindest im Sport- und Freizeitbereich vermochte die FDJ - natürlich auch mangels Konkurrenz - Erfolge zu erzielen. Auch ihre Publikationen, v.a. die "Mosaik"-Comics und die Tageszeitung "Junge Welt", waren beliebt. Auf internationale Beziehungen wurde in der FDJ großer Wert gelegt. Mit dem Jugendverband der Sowjetunion "Komsomol" pflegte sie regen Austausch. Daneben engagierte sie sich in der "sozialistischen Wehrerziehung". Die FDJ ging mit der DDR unter. Im Januar 1990 machten einige Funktionäre noch den Versuch, den Verband kleingeschrieben als "fdj" weiterzuführen, doch nach dem 3.10.1990 verlor er jede Bedeutung. In der Bundesrepublik war die FDJ seit 1951 als verfassungsfeindlich verboten.