Inoffizieller Mitarbeiter

    Aus DDR-Lexikon

    Abk.: IM; Zur lückenlosen Überwachung der eigenen Bevölkerung genügte der SED auch der "Kaderstand" von zuletzt mindestens 91 000 hauptamtlichen Mitarbeitern der Stasi nicht. Es wurden Gesellschaftliche Mitarbeiter Sicherheit (GMS) angeworben und in riesigem Stil Inoffizielle Mitarbeiter (IM). Bei den letzteren handelte es sich um lange vorgeprüfte Personen, denen Bespitzelungsaufträge im eigenen Umfeld gegeben wurden, nachdem sie sich schriftlich dazu bereit erklärt und einen Decknamen erhalten hatten. Ein Führungsoffizier der Stasi übermittelte Weisungen und nahm Ergebnisse meist bei Treffs in konspirativen Wohnungen entgegen. Die IM galten als "Hauptkräfte im Kampf gegen den Feind" und wurden durch Bezahlung gelockt, aus politischer Überzeugung tätig, durch Nötigung oder mit einer Kombination dieser Mittel angeworben. Über Zweck und Umfang ihrer Aufträge waren sie gar nicht oder nur bruchstückhaft unterrichtet, damit nicht unnötig Bedenken entstünden. Es gab diverse Kategorien von IM, z.B. IMB "zur unmittelbaren Bearbeitung im Verdacht der Feindtätigkeit stehender Personen", FIM "zur Führung anderer IM und GSM", IME "für einen besonderen Einsatz". Wertvoll waren IM v.a. aus dem Freundes- und Verwandtenkreis "feindlich-negativer" Personen oder Mitarbeiter von Institutionen (z.B. der Kirche), die der "politischen Untergrundtätigkeit" (PUT) verdächtigt wurden. Die Zahl der IM wird auf mehrere Hunderttausend geschätzt, sie wuchs mit zunehmender Instabilität des Systems seit 1985 sprunghaft an, was zu weiterer Destabilisierung führte, weil sich ein immer größerer Teil der Bevölkerung bedroht sah, sich IM manchmal gegenseitig enttarnten und sich Zweifel über das eigene Tun im Apparat selbst ausbreiteten. Wer bespitzelt wurde oder dies vermutet, hat heute die Möglichkeit, die Berichte darüber bei der Gauck-Behörde einzusehen.