Kirchen in der DDR

    Aus DDR-Lexikon

    Der Umgang der DDR-Regierung mit den Kirchen im eigenen Staat wandelte sich von der Staatsgründung bis zur Wiedervereinigung deutlich. Grundsätzlich waren die Beziehungen jedoch stets angespannt, da die Kirchen - besonders die evangelischen - als einzige größere Organisation eine gewisse Autonomie gegenüber der SED-Herrschaft bewahren konnten. Dies resultierte zum Teil aus dem großen Landbesitz der Kirche wie auch aus erzieherischen Funktionen in den kircheneigenen Schulen. Häufig boten die Kirchen oppositionellen Künstlern und Schriftstellern ein Forum für ihre Meinung. Die DDR-Führung versuchte daher zunächst mit allen Mitteln, den Einfluss der Kirchen zu schwächen. Eine "Gleichschaltung" war jedoch nicht möglich, denn auch die DDR-Verfassung sah ein Grundrecht auf Glaubens- und Gewissenfreiheit vor. Als Kontaktstelle zu den Kirchen wurde daher schon früh das Amt für Kirchenfragen beim DDR-Ministerrat eingerichtet. Ab den 1970er Jahren kann von einer vorsichtigen Annäherung von Staat und Kirche gesprochen werden. Die Regierung unterstützte den pazifistischen Kurs der Kirche, die sich selbst nun als "Kirche im Sozialismus" verstand. Ein neuer Konfliktpunkt war allerdings die Einführung des Pflichtfachs "Wehrkunde" an den Schulen. Als Sammelbecken oppositioneller Strömungen und Menschenrechts- wie Umweltbewegungen hatten die Kirchen großen Anteil an den friedlich ablaufenden Aufständen, die letztendlich zum Sturz des DDR-Regimes führten. Zahlreiche Kirchenvorstände hatten dabei führende Positionen in den Oppositionsgruppen inne.